Ursprung & Herkunft

Frühe koreanische Kampfkünste

 

Kampfkünste existieren in Korea schon seit sehr langer Zeit. Man vermutet, dass während der Goguryeo-Dynasti vor allem subak ( Kampf mit den bloßen Händen), Fechtkunst und Speer-Kämpfe sowie Kämpfe zu Pferd praktiziert wurden. 1935 fand man die ersten Wandgemälde, die Kampfkünste darstellen, auf königlichen Grabmälern, von denen man vermutet, dass sie zwischen dem 3. und 427. Jahrhundert für Goguryeo-Könige erbaut wurden. Welche Techniken innerhalb der Kampfkünste jedoch genau verwendet und trainiert wurden, kann mit Hilfe dieser Gemälde nicht beantwortet werden.


Subak wird beginnenden bei der Goguryeo-Dynastie und durch die Joseon-Dynastie (1392-1910) hindurch in Unterlagen der Regierung erwähnt. Man vermutet, dass die Krieger der Silla-Dynastie subak von den benachbarten Goguryeo-Armeen lernten, als sie an deren Hilfsbereitschaft zur Abwehr des Einmarsches der japanischen Piraten appellierten. Subak wurde zu einem wichtigen Teil des Trainings der Silla’s hwarang-Krieger, was entscheidend zur Ausbreitung des subak auf der koreanischen Halbinsel beitrug. Aber auch hier ist nicht bekannt, welche Techniken genau die hwarang-Krieger ausübten.

 

Häufig wurden die Hwarang-Krieger von buddhistische Mönche unterrichtet, wobei diese der Kampfkunst wesentliche spirituelle Aspekte hinzufügten. Ihr größter Einfluss auf die Entwicklung der koreanischen Kampfkünste ist wahrscheinlich in der Bereicherung des Trainings um die spirituelle Dimension zu sehen, die den koreanischen Kampfkünsten bis dahin fehlte. Man kann sicher annehmen, dass der Kampf mit den bloßen Händen eher eine geringere Rolle spielte und der größte Wert auf den bewaffneten Kampf gelegt wurde, was sich in der Entwicklung der Kampfkünste bis in die heutige Zeit nachvollziehen lässt. Erst seit kurzer Zeit wird dem Kampf mit den bloßen Händen wieder eine größere Bedeutung beigemessen.


Die Entwicklung des subak setzte sich auch während der Dynastie der Goryeo (935-1392) fort. Dokumente der Goryeo, welche Kampfkünste erwähnen, schließen subak stets mit ein. Jedoch verbot die Regierung der Goryeo dem gemeinen Volk, subak zu trainieren und auszuüben, da oft Wetten für solche Kämpfe abschlossen wurden.

 

In den späten Jahren der Goryeo- oder den frühen Jahren der Joseon-Dynastie splittete sich subak in zwei unterschiedliche Kampfkünste: taekgyeon und yusul. Es ist aber zu vermuten, dass im Zuge dessen auch viele Techniken verloren gingen. Taekgyeon wurde in den Schriftdokumenten und Büchern der Joseon-Dynastie sehr häufig erwähnt; außerdem sind taekgyeon-Kämpfer des öfteren in verschiedenen Gemälden dieser Zeit zu finden. Das bekannteste Gemälde ist wahrscheinlich „Dae Kwae Do“, welches 1846 von Yu Suk gemalt wurde und Männer zeigt, die sich in ssireum und taekgyeon messen.

 

Während des Imjin-Kriegs (1592-1598) wehrten die koreanischen Armeen eine Invasion der Japaner ab. Die Japaner importierten Gewehre von Portugal und wollten das Festland erobern. Mit chinesischer Hilfe zwangen die Koreaner die Eindringlinge jedoch zum Rückzug, aber mit einem großem Verlust an Männern und kulturellem Erbe. In diesem Krieg kamen auch das erste Mal die berühmten Schildkröten-Schiffe zum Einsatz. Diese Schiffer waren mit Eisenschildern bedeckt, wie der Panzer einer Schildkröte, die dem Angriff der Japaner standhalten konnten. Während der zahlreichen Kämpfe hörten die Koreaner etwas über ein Kampfkunst-Buch mit dem Titel „Ji Xiao Xin Shu“, welches von dem chinesischen Militärstrategen Qi Jiguan geschrieben wurde. König Seon Jo (1567-1608) hatte ein persönliches Interesse an diesem Buch und befahl sich Leute in seinen Hofstaat, die dieses Buch studieren sollten. Die Kreation des Mu Ye Je Bo im Jahre 1599 durch Han Kyo, der den Gebrauch verschiedener Waffen in der chinesischen Armee studiert hatte, war wahrscheinlich das Ergebnis der Auseinandersetzung mit diesem Buch. 1759 wurde das Buch überarbeitet und erneut veröffentlicht.

 

1790 bildeten diese beiden Bücher - gemeinsam mit anderen Handbüchern zu Kampfkünsten der Koreaner, Japaner und Chinesen - die Basis für das prächtig illustrierte „Mu Ye Do Bo Tong Ji“. Dieses Werk stellt zwar keine Bezüge zum taekgyeon mehr her, zeigt aber den Einfluss verschiedener chinesischer Kampfkünste. Es beschäftigt sich hauptsächlich mit bewaffneten Kampfkünsten wie Schwertkampf, Doppelschwertkampf, Speerkampf, Kämpfen mit Stöcken, etc. Das Kapitel, welches sich mit dem Kwon Bub (einer Form des Kampfes mit bloßen Händen) beschäftigt, zeigt Techniken, die chinesischen Kampfformen ähneln, aber sehr verschieden zum taekgyeon sind. Dem „Mu Ye Do Bo Tong Ji“ zufolge sollte der Kampf mit den bloßen Händen vor dem bewaffneten Kampf erlernt werden, denn er wird als die Basis der Ausbildung in den Kampfkünsten angesehen.

 

Das Interesse an koreanischen Kampfkünsten ließ während der Joseon-Dynastie unter dem Einfluss des Neo-Konfuzionismus, wie bereits weiter oben erwähnt, nach und nur das allgemeine Interesse an Traditionen, zu denen auch taekgyeon gehörte, sowie das „Mu Ye Do Bo Tong Ji“ sorgten dafür, dass diese Traditionen überhaupt überlebten.

Moderne koreanische Kampfkünste

 

Die Geschichte jeder modernen koreanischen Kampfkunst beginnt nach der Besetzung Koreas und wurde stark durch die japanischen Kampfkünste beeinflusst. Diese gelangten durch die im Zuge der Besetzung in Korea lebenden Japaner ins Land oder wurden durch Koreaner, die in Japan studiert hatten, mitgebracht.


Nach der Besetzung verbreiteten koreanische Meister ausschließlich solche Ansichten, in denen Verbindungen zu den traditionellen koreanischen Kampfkünsten wie subak vertreten wurden und bestritten jegliche Verbindung mit japanischen Kampfkünsten. Dies resultierte hauptsächlich aus der Verbitterung, die die Koreaner gegenüber den Japanern verspürten, besonders während der ersten Jahrzehnte nach der Besetzung.


Obwohl der Einfluss der japanischen Kampfkünste unbestreitbar ist und immer noch existiert haben viele moderne koreanische Kampfkünste Abstand von ihren japanischen Gegenstücken genommen.
Antike Bücher wie das „Mu Ye Do Bo Tong Ji“ wurden für das Studieren der koreanischen Kampfkünste bekannt und beeinflussten die Entwicklung von vielen modernen koreanischen Kampfkünsten. Beispielsweise studierten Koreaner, die das japanische kendo während der Kolonialisierung trainiert hatten, das „Mu Ye Do Bo Tong Ji“, um ihr eigenes kulturelles Erbe wiederzuentdecken und traditionelle koreanische Kampfkünste neu aufleben zu lassen.

 

Manche Koreaner behaupten, dass die japanischen Kampfkünste aus historischer Perspektive eigentlich in Korea verwurzelt sind und somit alle japanischen Kampfkünste als traditionell koreanische betrachtet werden sollten. So, wie die Japaner die Kampfkunsttechniken in der Weise bearbeiteten, dass sie zu etwas typische japanischem wurden, so bearbeiteten die Koreaner die japanischen Techniken in der Form, dass sie für ihre Bedürfnis brauchbar wurden. Obwohl Kampfkünste wie taekwondo und tangsudo ihre Wurzeln im japanischen karate haben, haben sie schließlich ihren eigenen Weg der Entwicklung genommen und wurden zu einer einzigartigen koreanischen Kampfkunst.


In ähnlicher Weise entwickelte sich auch hapkido vom japanischen daito ryu - mit Einflüssen aus den traditionellen koreanischen und chinesischen Kampfkünsten - zu einer unverwechselbare koreanische Kampfkunst.


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